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Umbenennung des „ÖAW-Forschungszentrums Graz“ in Graz-Messendorf in „Victor Franz Hess-Forschungszentrum Graz“

2. Juni 2009

Enthüllung der Tafel für das neu benannte Victor-Franz-Hess-Forschungszentrum, ehemals Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, in 8042 Graz, Schmiedlstraße 6.

Grußadresse des Präsidenten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Univ.-Prof. Dr. Peter Schuster (vorgetragen von Direktor Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Baumjohann):

„Hohe Festversammlung, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Leider kann ich wegen einer plötzlichen Erkrankung heute bei der Enthüllung der Gedenktafel nicht persönlich zugegen sein. Ich habe den Herrn Direktor Professor Wolfgang Baumjohann gebeten, Ihnen die besten Wünsche des Präsidiums der ÖAW zu übermitteln und meine Grußadresse zu verlesen.

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften war auf der Suche nach einem passenden Namen für das Grazer Akademiegebäude, als der in der Steiermark geborene Physiker und Nobelpreisträger, Victor Franz Hess, von geschichtsbewussten Physikern wieder ins Rampenlicht gerückt wurde. Mein Namensvetter Peter Schuster, Physiker, Historiker, Schriftsteller und Poet in einer Person, unternahm große Anstrengungen, die Aufmerksamkeit auf den berühmten Steirer zu richten, und gründete die Victor-Franz-Hess-Gesellschaft, deren Präsident er seit dem Jahre 2007 ist. Selbstredend standen Victor Hess und seine richtungsweisenden Arbeiten über Strahlung in der Akademie immer im Zentrum des Interesses. Etwa zehn Jahre lang, von der Eröffnung 1910 bis 1920 war Hess als Assistent von Stefan Meyer am legendären Institut für Radiumforschung der Akademie tätig. In dieser Zeit fielen seine sorgfältigen und systematischen Messungen der „Höhenstrahlung“, von der man damals noch annahm, dass sie mit der Entfernung

von der Erde schwächer werden sollte. Ballonfahrten, die er 1911 und 1912 unternahm, führten ihn in Höhen von bis zu 5.3 km, und das Ergebnis der Messungen sprach eindeutig für einen extraterrestrischen Ursprung dieser Strahlung, die heute als „kosmische Strahlung“ bezeichnet wird. Im Jahre 1936 erhielt Hess für seine Entdeckung den Nobelpreis für Physik.

Die Beziehungen von Victor Franz Hess zur Steiermark und zu Graz gehen natürlich weit über seine Jugend hinaus: Er besuchte das Gymnasium in Graz, studierte an der Universität Graz und wurde 1919 als außerordentlicher Professor wieder an die Universität Graz berufen. Unterbrochen durch einen zweijährigen Aufenthalt in den USA, blieb er in Graz bis 1931, von wo aus er dann einen Ruf als Leiter des neu gegründeten Instituts für Radiologie der Universität Innsbruck annahm. Durch die Nationalsozialisten wird Hess im Jahre 1938 zur Emigration in die USA gezwungen, wo er noch im selben Jahr als Professor für Physik an der Fordham University angestellt wurde. 1944 wird Victor Franz Hess Staatsbürger der Vereinigten Staaten.

Das Victor-Franz-Hess-Forschungszentrum der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beherbergt zwei geisteswissenschaftliche Einrichtungen auf den Gebieten der Sprachforschung und der Geschichte und zwei traditionsreiche naturwissenschaftliche Institute: Das Institut für Weltraumforschung, eine der ersten Neugründungen der Akademie nach dem Zweiten Weltkrieg, das heute unter der Leitung von Wolfgang Baumjohann steht – es freut mich ganz besonders, dass nach meiner Information auch der Pionier und Doyen der Weltraumforschung, sowie langjähriger Direktor des Akademie-Instituts, Willi Riedler, heute zu der kleinen Feierstunde gekommen ist – und das Institut für Biophysik und Nanosystemforschung, welches seinen Ausgang nahm von den bahnbrechenden Arbeiten Otto Kratkys zur Röntgen-Kleinwinkelstreuung und seit langer Zeit von Peter Laggner umsichtig geleitet wird. Für alle diese Einrichtungen ist der Name Victor Franz Hess eine schöne und würdige, alle umspannende Klammer.

Was mir noch zu sagen bleibt, ist, Ihnen allen ein schönes Fest zu wünschen und den Einrichtungen im Victor-Franz-Hess-Forschungszentrum weiterhin so schöne Erfolge in der Wissenschaft.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!“

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